Von Canon zu Leica, Panasonic und konsequent zurück zu Canon.

Mein Systemwechsel von Canon zu Leica sowie diversen anderen Marken und der Weg zurück zu Canon.

Schnell meine Odyssee in Sachen Hardware für Fotografen/Werbefotografen.

Meine wichtigste Erkenntnis vorab – meine Bilder wurden keinen Cent besser, als die Technik teurer wurde. Leider.
Noch dazu hat mich dieser ständige Systemwechsel Zeit und Nerven gekostet. Ja, na klar auch einiges Geld.

Auf jeden Fall kann ich nun ruhigen Gewissens sagen, dass es die Ergebnisse inhaltlich nicht besser macht, um so öfter man das System wechselt. Wenn überhaupt etwas besser geworden ist, dann vielleicht – und nur vielleicht – das gestiegene Selbstvertrauen. Ist doch gut zu wissen, dass es nicht an der Technik liegen kann. Die war ja schließlich sündhaft teuer.
Gott, wie billig …

Genau genommen ist es so, dass ich meine Canon-Technik damals im Schlaf bedienen konnte. Zu jeder Zeit, auch mit vierzig Fieber. Diesen Vorteil – weniger in der Werbefotografie, da geht es in der Regel chilliger zu – habe ich bei jedem Systemwechsel aufs Neue vermisst. Ok, Blende, ISO, Zeit sind bei jeder Kamera so pi mal Daumen ähnlich schnell zu finden. Aber wenn es mal eben schnell um’s „Eingemachte“ in den Tiefen der Menüs geht, weil es für genau diesen Punkt in der aktuellen Produktion wichtig ist, dann ist das einfach nur peinlich, wenn du nicht auf den Punkt kommst.

Noch wichtiger ist wohl?

Dass zum Beispiel auch jedes Objektiv seine Besonderheiten hat. Nahstellgrenze, Speed im Autofokus, Flairs dann und dann, Bokeh so und so. Heute sind mir die Eigenheiten der Optiken fast noch wichtiger, wie beispielsweise der Speed der Kamera. Wenn du die Wirkung deiner Gläser mal kennst, dann ist die Wahrscheinlichkeit für den richtigen Einsatz auch relativ hoch.

Ok, in Sachen Optik hätte ich wohl bei Leica bleiben müssen. Wobei ich gar nicht weiß, ob die heutigen Canon-Objektive den „Leica’s“ nachstehen. Die Bildwirkung ist auf jeden Fall anders. Ob anders gut oder schlecht, liegt wie immer im Auge des Betrachters.
Aber lass mich von vorn beginnen.

Meine erste digitale Kamera kam von Olympus.

Genau genommen kam sie von „Quelle“. Damals noch ganz analog im Katalog bestellt. Aber eben schon digital, die Kamera jedenfalls. Ich glaube 0,8 Mio. Pixel oder so. Das hat für den Anfang gereicht. Allem voran meiner Lernkurve. You see, what you get. Die Fotografie zog mich, damals noch als Grafiker/Webdesigner, in ihren Bann.

Der Anfang, in Sachen Fotograf, war also gemacht. Genau genommen war das schon Werbefotografie. Hatte doch damit Bilder für die Webseiten, die ich erstellte, fotografiert.

Es folgte eine Sony 505.

Etwas mehr Auflösung und eine echt fantastische, schwenkbare Optik. Finanziell eigentlich das Ende meiner persönlichen Fahnenstange. Es dauerte dennoch nicht lange und es war klar, dass auch die Sony nur ein weiterer Anfang sein konnte. Konsequent schaffte ich dann eine analoge Ausrüstung an. Gebraucht und meist bei eBay.

Meine erste Canon EOS.

Eine Canon EOS 620 und zwei/drei EF-Optiken. Die billigen mit kleinen Blenden, versteht sich. Analoge Fotografie also. Fotografieren, so richtig mit Notizbuch und Einstellungen aufschreiben, um später zu hoffen, dass die Sachen richtig aus dem Labor kommen. Mit einigem Lehrgeld, glaub mir. Gott, was sahen die Sachen verheerend aus. Meine ganz persönliche Lernkurve – lang, dafür intensiv.

Ich kürze die Kapitel etwas, um der ursprünglichen Überschrift näher zu kommen.

Auf jeden Fall glaube ich, dass dieser Schritt prima dafür war, die Fotografie an sich zu verstehen. Die digitalen Bilder aus Olympus und Sony landeten früher oder später ja doch bei Photoshop. Wenn das analoge Bild oder Dia aus dem Labor kommend zu hell oder zu dunkel war, dann war es das dann erst mal auch. Die ausführliche Kunde in das 1 × 1 der richtigen Belichtung folgte. ISO, Blende und Zeit verstehen also. Zuverlässig, ganz ohne Zufall.

Meine erste digitale EOS – Canon EOS D30

Ganze 3,1 Millionen Pixel. Da hat heute fast jeder Sucher mehr Auflösung. 

Das Konzept von Canons Sonnenkönigin gefiel mir. Ich fühlte mich als angehender Werbefotograf im richtigen Lager. By the way – unter dem Spötteln der noch analog arbeitenden Kollegen fotografierte ich später mit eben diesen 3,1 Millionen Pixeln meine ersten 18/1er unter anderem für die Sparkasse. Ohne eben diesem Kollegen zu sagen, dass das mit etwas Interpolation in Photoshop, ohne weiteres, möglich war. Das geht auch heute noch. Besser sogar. Mit feineren Logarithmen.

Canon kündigte die EOS D60 an. So ziemlich die doppelte Auflösung. Ich kaufte konsequent. Pixel waren damals das echte Gold in der digitalen Fotografie. So langsam willigte auch die Schar der „analogen Fotografen“ ein und kaufte auch zunehmend digital.

Es folgte meine erste Canon-Profi-Kamera. Die Canon EOS 1 Ds.

Ein anfänglich unerreichbarer Traum, denn der 11-Mio-Pixel-Bolide sollte ganze 9600 Euro kosten. Schließlich rückte er dann, irgendwann gebraucht, in meine Reichweite.

Gott, eine wahre Göttin.

Ich lernte die Fotografie noch mal ganz neu kennen. Der Ziegelstein konnte richtig schnell Fokus. Meine Handballbilder wurden plötzlich, auch mit Autofokus, scharf. Mein Tipp. Fotografiert Sport zum Reinkommen! Man lernt, Technik im Schlaf zu bedienen, und es hilft dem Verein. Weiter macht man dort hervorragende Kontakte … Fehlbelichtungen, verwackelte Motive, zu langsame Optiken, fehlende Lichtstärken interessieren genau niemanden. Aber du kannst deine Lehren daraus ziehen.

Meine allerersten Handballbilder habe ich, im Übrigen, manuell fokussiert. Fokussieren, bangen und hoffen, dass der Spieler, mit dem Ball in der Hand, in genau diese Schärfenzone reinläuft. 

Es folgten, ziemlich konsequent, die ersten L-Objektive, Aufsteckblitze, Studioblitze, Reflektoren, Stative und was weiß ich noch. Auch ein Klassenzimmer oder so etwas in der Art als provisorisches Studio. Die ersten, größeren Jobs standen dann auch in der Pipeline. Von echter Fotografie, geschweige denn Werbefotografie, hatte ich zwar noch immer keinen Schimmer, aber irgendwie sollte das jetzt losgehen. Schmerz- und leidvoll. Ich hatte weder Assistenzen, noch einen Plan. An YouTube und dessen Tutorials war weder zu denken, noch gab es brauchbare Bücher zur Werbefotografie. Ok, ich hatte Zeit. Die brauchte ich auch. Viel Zeit. Da änderte auch der Speed der Canon EOS 1Ds nichts.

Einige Zeit später passte das für mich ganz gut. Wir waren eine Einheit geworden. Das Canon-System und ich. Die Ergebnisse waren wohl brauchbar und akquirierten neue Jobs.

Ich dachte fortwährend, ein echter Profi braucht mindestens Mittelformat.

Und früher war das auch so. Früher, als noch Filme gescannt wurden und die Banane gefühlt noch krümmer war.

Dennoch hatte ich es immer irgendwie vor Augen. Ich musste Mittelformat fotografieren. Stand ja schließlich auch in jedem Fotomagazin, dass echte Pro’s mit Mittelformat arbeiten. By the way. Die Hersteller „kaufen“ sich namhafte Fotografen, lassen sie eine „Show“ fotografieren und publizieren das auf Teufel komm raus. Ok, ok – ja, das hab’ ich später auch genau so mitgemacht. Warum denn auch nicht? Ich hätte es, für mich sprechend, nur gern eher gewusst, dass es genau so läuft.

Vielleicht hätte mir das den ein oder anderen Euro gespart. Vielleicht aber auch nicht. Ok, so ganz lässt sich das Mittelformat nicht wegreden. Jedenfalls aus damaliger Sicht. Es waren ganze Blendenstufen mehr Dynamik und auch Auflösung sowie noch weniger Schärfentiefe möglich.

So kaufte ich mir eine Mamiya 645, dazu passende Contax-Optiken und ein Leaf Aptus (digitales Rückteil für den Mamiya-Body).

Das Back hatte, für damals sensationelle 28 Millionen Pixel, schaffte eine Aufnahmerate von unglaublichen 1,1 Sekunden pro Bild und lieferte satte 12 Blendenstufen Dynamik. Zusammen mit den Contax-Optiken, die per Adapter an die Mamiya passten, hatte ich so ein crazy Setup für Stills. Meine ersten Uhrenfotografien entstanden. Gott, was war ich glücklich, und hätte es auch dabei belassen sollen.

Es gipfelte schließlich, als ich eine Plaubel-Großformat-Plattenkamera an das Leaf-Back adaptierte. Ein vielleicht 15 Kilogramm schweres Geschoss in der Größe eines 20-Liter-Benzinkanisters. Genauso handlich war das dann auch. Ich begriff, zum Glück relativ schnell, dass es schlicht und ergreifend Unsinn war, damit Uhren fotografieren zu wollen. Der Vorteil, durch Shift/Tilt die Schärfentiefe zu verlagern, ging durch dieses Monster komplett verloren. Software löst diesen Ansatz übrigens, auch ohne Technik, ganz hervorragend.

Lifehack – nicht jede neue Technik geht für alles. Wusste ich nicht. Hätte ich mir auch nicht ausreden lassen. So verkackte ich auch das ein oder andere Peopleshooting. Nur weil ich es nicht lassen wollte, mit dem Mittelformat zu arbeiten. Viel zu scharf, zu langsam und ohne Autofokus noch dazu. Weiter waren ISO 100 Pflicht. Ich verlor meinen sonst so geliebten Speed in der Peoplefotografie, auch den natürlichen Look. Für die Ergebnisse schäme ich mich heute noch. Also teilweise.

Und dennoch, oder gerade deswegen investierte ich weiter in das digitale Mittelformat und holte ein Phase One IQ140.

Gleich vorab. Mein persönlich größter Pain in the ass. Das tut mir, allein wenn ich die Zeilen hier schreibe, heute noch weh. Hier nur mal ein paar schnelle Eckpunkte.

Invest mit Optiken, vielleicht 40 K.

Maximaler Frust stellte sich ein, als weder die auf Garantie getauschte Kamera, noch das ebenfalls getauschte und zigmalig geupdatete Back zuverlässig zusammenliefen. Und wie peinlich es war – im Beisein des Kunden – festzustellen, dass sich der Kram erneut aufgehangen hat und ich nacheinander Kamera, Back und Rechner neu starten musste. Bis zum nächsten Freeze eben.

Yves (damals zuständig für Phase One) musste meine Telefonnummer hassen. Ich bin ihm heute noch für seine Geduld dankbar. „René, warte auf das nächste Update, dann ist der Bug raus …“ Nur er weiß, wie viele Fotografen er so vertrösten musste. Einige Jahre und Gespräche später weiß ich, dass ich wohl nicht der Einzige war. Yves, danke dir! Du warst grandios, einfach auch, weil du immer alles versucht und möglich gemacht hast.

Und trotzdem musste ich weiter im Mittelformat fotografieren. War doch mittlerweile auch richtiger Werbefotograf. In meiner Wahrnehmung. Die brauchen solche größeren, offensichtlich potenzförderliche Fotoapparate …

Mein Weg zu Leica S

Nun, mit Phase One war ich ja nun nicht sonderlich glücklich. Es war einfach kein Arbeiten mit den ständigen Freezes. Noch dazu fanden sich auch kaum geeignete Interessenten für die Übernahme. Warum auch? Augen zu und durch. Macht sich immerhin geil in der Abschreibung und senkt den zu versteuernden Unternehmensgewinn. Das sogenannte Ende mit Schrecken.

Leica hatte ein neues Mittelformat. Die Leica S2 mit 37,5 Millionen Pixeln.

2,5 Millionen Pixel weniger, als das Phase-One-Rückteil.

Nun, zu dieser Zeit wusste ich schon, dass das völlig reicht. Jedenfalls für mich und auch für die Belange meiner damaligen Kunden. Heute ist das übrigens gar kein Thema mehr und ich würde behaupten, dass saubere Aufnahmen mit einem 24-Millionen-Pixel-Sensor völlig reichen. Einfach, weil allein die heute mögliche Interpolation Grenzen sprengt. Aber leider auch, weil alles digitaler wird und zum Beispiel 18/1er kaum noch produziert werden. Und wenn, dann reicht in der Regel eine DIN-A3 große Datei. Ich schreibe das hier übrigens alles aus meiner Sicht. Aber auch aus der Sicht nach über 25 Jahren Werbefotografie. Nagelt mich bitte nicht an die Wand, wenn ihr andere Ansichten (die durchaus berechtigt sein können) habt.

Ich hatte also fest entschlossen den Wechsel zu Leica forciert.

Noch mal konnte ich ein Desaster, wie das vorangehende, nicht gebrauchen. Ich ging auf Nummer sicher und rief, wissend, dass auch er damit arbeitete (ihr wisst ja, die Storys in den Magazinen), René Staud an und wollte mich rückversichern und wissen, ob man mit der Leica S2 zuverlässig arbeiten kann.

„Die Leica S2 arbeitet immer dann, wenn du sie aus dem Regal nimmst, wie eine Bohrmaschine.“ Das reichte mir. Staud war und ist für mich eine echte Referenz in Sachen Fotografie.

12 Blenden Dynamik und ein Body in der Größe einer Profi-Kleinformat-Kamera. Vor allem aber zuverlässig und frei von Abstürzen. Einziger Pferdefuß. Ich musste von Capture One zu Lightroom wechseln. Dafür bekam ich eine sensationelle USB-Schnittstelle. Die beste bislang. Jedenfalls fürs Tethering. Liebe Hersteller, schaut euch das an! Schnittstelle fürs Tethering geht genauso. 

Und auch sonst. Ich war echt glücklich mit der Leica S2. Sie funktionierte. Immer. Eigentlich, wie man es (für eine echte Bohrmaschine) auch erwarten kann.

Meine Canon 1Ds Mark 3, zu der ich es im Canon-EF-Lager geschafft hatte, verstaubte regelrecht. Ich habe sie schließlich verkauft, als Leica mit der SL 601 ein neues Kleinbildformat ankündigte.

Ich kaufte die Leica SL 601 mit dem 24-90, dem 50er und 90-240er sowie  Sigmas für Makro und Weitwinkel.

Wie gesagt, ich verkaufte dafür die Canon 1Ds Mark 3 und deren Optiken. Was für Fehler, aus heutiger Sicht. Kannte ich doch das Leica-S-System und glaubte, dass die SL gar nicht schlechter sein konnte. Auch weil es ein Durchbruch in Sachen spiegelloser Kamera und Electronic Viewfinder sein sollte. Ich meine, dass Sony das schon etwas früher hatte. Ob das ein Zufall war, weiß ich gar nicht. Jedenfalls mochte ich das SL-System. Die Optik, die Haptik. Aber natürlich auch die Objektive. Rein optisch – ein System, reduziert auf das Wesentliche. Wie Leica selbst sagt.

Apropos Leica-Marketing. Selbstredend: Ich machte zu dieser Zeit auch als „Reportagefotograf“. Dafür musste es selbstverständlich auch eine Leica sein. So fanden nacheinander auch Leica M8, M9, M10 mit entsprechenden Optiken den Weg in meine Fototaschen. Klargekommen bin ich damit nie so richtig. Vielleicht, weil ich zu hektisch arbeite und so zu viel Ausschuss mit unscharfen Bildern hatte.

Der Mythos „Leica M“ musste später einer Leica Q weichen. Die würde ich mir heute übrigens sofort erneut kaufen. Denn es gibt, nach meinem Gusto, nichts wirklich Vergleichbares. Klein, optisch irre cool, mechanisch unverwüstlich und mit sensationellem 28 mm 1,7er Objektiv. Eigentlich „die“ Kamera für Reportagen. Einzig. Sie wird (mir persönlich) gerade etwas zu sehr von dem ein oder anderen Influencer gehypt. Vielleicht habe ich meine auch deswegen weggegeben.

Optisch unfassbar schön finde ich das SL-System übrigens auch heute noch.

Auch schätze ich den Leica-Support. Wir hatten eine echt coole Zeit. Gleich, wenn ich die meisten Leute bei Leica über, für mich, Unzulänglichkeiten im System kennengelernt habe. Bin da sicher auch recht pingelig.

Aber zur förmlichen Weißglut hatte mich damals das Tethering und der ständige Verbindungsverlust zur 601 getrieben. Die Leica SL 2 konnte das dann zuverlässiger. Blitzprotokolle, unbefriedigende Hardware im Bereich der Aufsteckblitze, aber auch die für mich ständig mangelnde Performance des Autofokus ließen mich dennoch immer mal an meine Canon-Zeiten erinnern. Gerade bei schnellen Sachen. Ich hatte das einfach besser in Erinnerung. Mit zunehmender Verlagerung in bewegte Motive wurde mehr und mehr klar: Da muss nun doch noch mal was, in Sachen System, passieren.

Die Leica SL 3 sollte übrigens im Autofokus Besserung geloben. Allerdings war ich dann schon etwas zu müde, um erneut in ein System oder dessen neuen Body zu investieren. Wieder mit dem Versprechen, dass aktuell alles passen „sollte“. Zumal zum Beispiel das Thema Aufsteckblitze immer noch nicht angefasst wurde. Ein weitere, elementarer Grund folgt im nächsten Absatz.

Ich testete eine Panasonic DC-S5M2X mit L-Mount kommend …

Sie kostete keine Welten. Ich versprach mir, ehrlich gesagt, nichts. Aber die Unzufriedenheit im SL-System wuchs und ich suchte Alternativen.

Chapeau – ich war echt begeistert.

Die Videoperformance der Panasonic DC-S5M2X war, neben dem Autofokus, sensationell. Aber auch die, im Vergleich zur Leica SL, irre vielen außen liegenden Knöpfe für die Bedienung der Kamera. Eine neue, eigentlich schon früher an der Canon 1Ds gemachte, Erfahrung. Ich fragte mich, wie ich jemals darauf verzichten konnte?

Ich holte eine weitere S5ii und wechselte zwischen Leica SL2, den Panasonics und meinen Leica-SL-Objektiven. Dank L-Mount gar keine Sache. Das funktioniert zuverlässig. Wie genau Leica und Panasonic „zusammen“ arbeiten, steht ja hier und da im Netz … Vielleicht gar kein Wunder, dass das alles so gut zusammen passt.

Zugegeben, es machte sich auch etwas Frust breit. Einfach, weil der wesentlich günstigere Body lieferte, was ich von der SL2 erwartete. Ok, da liegen ein paar Jahre Entwicklung dazwischen. Aber auch ein paar Kilo Euro zu Gunsten der Panasonic. Ab jetzt war ich, genau genommen, nicht mehr bereit, in Leica zu investieren. Weiter hätte ich, so ich die Performance der Panasonic Lumix S voll und ganz nutzen wollte, auch in native Panasonic-Optiken investieren müssen. Was ich auch kurz überlegt hatte.

Hier fehlte mir dann wieder der Profi-Support. Ich konnte einfach, auch nach offizieller Anfrage, keinen Ansprechpartner ausmachen. Wer weiß – gar nicht ausgeschlossen, dass ich in deren Optiken und in die LUMIX DC-S1RM2 investiert hätte. Denn die Ergebnisse aus der Lumix S5iiX in Film und Bild begeisterten mich tatsächlich. Ok, der Sensor shiftet etwas nach Magenta, jedenfalls interpretiert Lightroom das so, aber das lässt sich ja schnell korrigieren. Ist ja vielleicht auch nur eine Frage des Geschmacks.

Nicht nur, weil die zwar mechanisch und im Vergleich zu Leica wesentlich wertigeren Aufsteckblitze zu langsam waren, sondern weil ich nun endgültig zu müde war, erneut zu investieren, um zu testen.

Auch überlegte ich kurz, zu Sony zu gehen. Nicht weil ich mit der Marke ja ganz am Anfang zu tun hatte, sondern eher weil sich Sony im Bereich der Videografie (FX3/FX6) wahrnehmbar zum Trend entwickelt hat.

Jedoch. Ehrlich gesagt, ist es ja so, dass wir alle nicht jünger werden. Ich glaube, für mich redend, wird das auch eher schlechter, statt besser. Vielleicht auch, weil der Fotografenalltag heute ein anderer ist. Zwar auch cooler, aber neben der Bildentwicklung kommen heute noch Programme für Videoschnitt und Ton sowie einige Videotechnik dazu. So muss ich mit meinen Ressourcen, im Bereich der grauen Zellen, haushalten. Ich wollte mich, ehrlich gesagt, nicht mehr in ein, für mich, ganz neues System von Sony einarbeiten.

Noch dazu erinnerte ich mich, dann fast täglich, an mein altes, immer funktionierendes Canon-EF-System. Ich sehnte mich nach einem System, das meine Anforderungen komplett abdeckte. Das optisch Cleane und wirklich auch Schöne der Leica SL sollte zugunsten von außenliegenden Bedienknöpfen, schnellem und zuverlässigem Autofokus, sensationellem 8K-Video mit ziemlich unbegrenzter Aufnahmedauer, einer für Video und Foto geeigneten Objektivrange und schließlich auch funktionierenden, schnellen Aufsteckblitzen einem Canon-System weichen. Back to the roots also.

Alte Canon-Kontakte wurden aufgetaut. In Dresden und Krefeld.

Für den konsequenten Weg zurück. Zurück zu Canon und dessen RF-System. Endlich wieder ein zuverlässiges, vor allem geschlossenes System. Mit einem Autofokus, der trifft und sitzt. Mit je einem Betriebssystem für Foto und Video, Bahnbrechende RF-Optiken in so ziemlich jedem Brennweitenbereich. Mit klar zunehmendem Fokus auf Video. Auch mit dazu passenden Profi-Videokameras. Ja natürlich, auch wieder mit mehr außenliegenden Bedientasten an den Bodys.

Aber auch mit Auflösungen im Bereich der Mittelformat-Bodys und natürlich mit Aufsteckblitzen, die können … Weiß gar nicht, warum ich das Thema der Aufsteckblitze, die in der Werbefotografie eigentlich nichts zu suchen haben, so bewege. Vielleicht nur, weil Canon das konnte und kann. Wie Canon auch „Farbe“ kann. Ok, Farben sind einerseits ja immer im Bereich des Geschmacks angesiedelt, andererseits ja schnell „regelbar“. Und dennoch empfinde ich Canon’s „Look“, gerade in den Hauttönen, mehr als angenehm. Was genau genommen auch weniger Nacharbeit bedeutet.

Und auch, weil es den CPS gibt.

CPS (Canon Professional Services) steht für Service. Früher reichte einiges an Profi-Equipment, um sich für diesen Service registrieren zu können. Heute gibt es entsprechende „Bezahlmodelle“. Es gibt ihn, den professionellen Service. Das ist, was zählt, wenn man ihn braucht. Auch über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Und die Möglichkeiten des Rents.

Ob wegen eines Defekts on location, weil der Flug mit komplettem Equipment zu aufwendig wird oder weil sich die Anschaffung für einen Singlejob nicht lohnt. Canon kann man mieten. Auch so ziemlich weltweit.

Die Moral von der Geschichte.

Wieviel Geld hätte ich wohl in freie Projekte und Produktionen stecken können, ohne diese Investitionen in Technik. 

Nun. Das ist es wohl. Das Los des technikmögenden Fotografen/Videografen in mir. Aber vielleicht auch Teil der Entwicklung. Auch weil Kleinbildbodys von heute einiges mehr auf der Pfanne haben, als sie es vor 20 Jahren hatten. Und naja – der Wechsel von Canon EF zu Canon RF wäre ja ohnehin fällig gewesen.

Was für ein Monolog?

Und am Ende ist es doch immer noch so, dass auch die besten Systeme nicht zwingend die besten Bilder machen. Aber ein schöner Weg zum Zweck ist es allemal.

Vielen Dank!

Nicht falsch verstehen, ich habe hier nichts „geschenkt“ bekommen und Abhängigkeiten zu genannten Marken gibt es auch keine.

Und dennoch möchte ich mich für die wirklich irre Unterstützung bedanken und sage Canon (genauer Martin, den ich schon aus Zeiten meiner Canon D30 kannte), aber vor allem auch Rico von Foto Wolf in Dresden: DANKE!

Weiter danke ich dem Gregor von Canon. Ehrlich gesagt, unglaublich, mit welcher Ruhe er mir, während einer Messe, all meine Fragen zu den Canon-Systemen beantwortete und mir so den richtigen Weg (auch, was die Modelle der Kameras betraf) zurück ins Canon-Lager zeigte. Ganz unaufgeregt. Dafür mit echtem Wissen in der Tiefe.

Es wäre vermessen, mich nicht auch bei Leica zu bedanken. Schließlich waren doch viele Sachen, besonders auch gemeinsame Zeiten, irre cool. Danke, Bernd, Thomas, Stephan …

Übrigens. In Sachen Potenz …

Ob es tatsächlich so ist, dass eine „Leica“ die vermeintliche Potenz des geneigten Fotografen/Werbefotografen erhöht, weiß ich nicht. Jedenfalls hatte ich in dieser Zeit auffallend viele Kundengespräche zu eben dieser Fototechnik. Sicher die Magie des roten Punktes. Die habe ich nun nicht mehr …

Dafür seit knapp einem Vierteljahr ein System, mit dem ich voll und ganz zufrieden bin. Ganz sicher wird es auch weiterhin den ein oder anderen Wechsel geben. Aber dass ich noch mal aus dem System gehe, glaube ich nun weniger.

Links zu den technischen Parametern der aufgezählten Kameras.

Disclaimer

Verwendete Markennamen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber und wurden nur beschreibend genutzt.

P.S. Hier Arbeiten mit unterschiedlichen Systemen. Leica, Canon, aber auch Panasonic. Mittelformat und Kleinbild …

Videograf und Fotograf Dresden, People, Industrie und Werbung, Reportagen

Professionelle Peoplefotografie und Portraits, Eloi Christ

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